Wie du in Folge 2 meines Podcasts bereits gehört hast, gibt es in der ayurvedischen Lehre die Theorie des Tridosha.

In der heutigen Episode wiederhole ich ein paar wichtige Aspekte und du erfährst noch ein wenig mehr über Vatha, Pitta und Kapha. Falls du den ersten Teil noch nicht kennst und mehr erfahren möchtest, dann hör doch einfach noch mal in die Folge 2 rein.

Was ist Tridosha?

Nun, das Wort Tridosha stammt aus der altindischen Sprache Sanskrit und besteht aus den Wörtern „Tri“, das bedeutet drei, und „Dosha“. Dafür gibt es keine richtige Übersetzung ins Deutsche, kann aber als die Lebensenergien bezeichnet werden.

Diese drei sind: Vatha, Pitta und Kapha.

Vielleicht hast du davon schon mal gehört?
Oder du hast mal in deinem Bio-Laden oder Supermarkt einen Pitta-Tee, Kapha-Öle oder Vatha-Gewürzmischungen gesehen?

Konstitutionstyp

Wenn im Westen von Vatha, Pitta und Kapha gesprochen wird, so ist meist der Typ eines Menschen gemeint. Typ heißt hier Konstitutionstyp, also das, was diesen einen Menschen ausmacht. Wir nennen das Prakrithi, dieser verändert sich ab Geburt bis zum Tod nicht.

Viele Magazine und die meisten Kochbücher legen leider nahe, dass man sich seinen Typen durch Ausfüllen und Analysieren von kurzen Fragebögen und Ankreuztests selbst erschließen kann. Dass dies jedoch nicht nur minimalistisch, sondern nicht möglich ist, habe ich in der Folge 2 beschrieben. Die ayurvedische Lehre ist hier viel komplexer, aber eben aus dieser Komplexitität heraus ist die individuelle Beratung erst möglich. Jeder Mensch weist einen anderen Konstitutionstyp aus. Die reinen Typen- also ein Vatha-Typ, ein Pitta-Typ oder ein Kapha-Typ- sind eher selten. Ca. 80 % der Menschen sind Mischtypen. Also zum Beispiel Vatha-Pitta-Typ oder Kapha-Vatha-Typ, etc. und somit ergeben sich 7 verschiedene Konstellationen. Wichtig ist allerdings zu wissen, dass alle drei – Vatha, Pitta und Kapha- in jedem Menschen stecken. Wird nur eins oder zwei der drei genannt, bedeutet das nicht, dass die fehlenden Teile nicht vorhanden sind, sondern nur, dass der genannte Teil vorherrschend ist. Bei einem Pitta-Typ ist also Pitta dominant, Vatha und Kapha sind dennoch vorhanden, wenn auch nicht genannt.

Die meisten Fragebögen kategorisieren viel zu schnell durch nur ein paar wenige Fragen nach dem Prinzip: ‚Essen Sie gern scharf? Werden Sie schnell wütend? Aha, Sie sind ein Pitta-Typ.‘
Anhand dessen kann man sich nun die passenden Rezepte aussuchen und wird teilweise verwirrende Informationen feststellen, zum Beispiel, dass auf Seite 2 frischer Ingwer als Pitta-erhöhend und auf Seite 62 frischer Ingwer als Pitta-reduzierend beschrieben wird.

Also, ich verstehe das nicht. Wie soll das dann jemand verstehen, der eventuell gerade erst beginnt, sich mit Ayurveda zu beschäftigen? Die Einteilung in einen Typen ist zudem komplexer als hier beschrieben.

Was ist ein Vatha-Typ?

Einen reinen Typen gibt es eher selten, wie oben beschrieben. In den Mischtypen kommt nicht jede Eigenschaft in jedem Vatha-Typen bzw. in jedem Menschen bis ins Extrem auf gleiche Weise zum Vorschein.

Aber um dir ein Gefühl zu geben, was zu Vatha gehört, nenne ich dir nun ein paar Beispiele:

In der großen Lehre des Mahabhoota, der Fünf-Elemente-Theorie, ist Vatha mit den Elementen Luft (Vayu) und Raum (Akasha) verbunden.

Ein Vatha-Typ weist eher eine filigrane Körperstruktur auf. Das heißt, Vatha-Typen sind meist schlank und Knochen von Schlüsselbein, Nase, Finger, etc. sind gut sichtbar.

Eine Eigenschaft von Vatha ist trocken und kalt. Und dies spiegelt sich meist in trockener Haut, trockener und rissiger Haare und Nägel wieder.

Eine weitere Eigenschaft ist das Bewegungsprinzip. Ein Vatha-Typ braucht Bewegung wie die Luft zum Atmen, um gesund zu bleiben und sich wohl zu fühlen. Dies findet meist Ausdruck in Sport, kann aber auch alle Bereiche des Lebens betreffen. So sind Körperteile immer wieder in Bewegung, wie zum Beispiel die Augen oder die Füße. Der Beruf weist viel Bewegung im Körper und/ oder im Geist auf, wie bei einem/einer Außendienstmitarbeiter/in. Macht ein Vatha-Typ Yoga, so bevorzugt er/sie meist eher die dynamischen Asanas (= Körperübungen), Übungen, die eher auspowern, fordern. Sehr ruhige Übungen sind ihm/ihr oftmals zu wenig.

Was ist ein Pitta-Typ?

Auch bei dem Pitta-Typ gilt, dass ich hier ein paar Aspekte als Beispiele nenne, die jedoch bis ins Extrem nicht bei jedem Pitta-Typen in Erscheinung tritt.

Wie oben aus einem Fragebogen zitiert, ist es korrekt, dass ein Pitta-Typ gern scharf isst und dies gut verträgt. Da Pitta nicht nur mit dem Element Wasser (Ap), sondern zudem mit dem Feuer-Element (Tejas) verbunden ist, kommt dies immer wieder zum Ausdruck. Einerseits ist die Farbe rot immer wieder sichtbar, andererseits stehen große Kraftreserven zur Verfügung. Die Menschen im Umfeld wundern sich oftmals, wie diejenige/ derjenige so viele Projekte auf einmal schafft. Pitta-Menschen erreichen ihre Ziele, denn neben den großen Kraftreserven haben sie außerdem einen großen Ehrgeiz, Dinge zu erreichen und andererseits ist ihr Verstand klar, schnell und scharf.

Vielleicht hast du mich jetzt ertappt. Oh ja, in meinem Konstitutionstyp schwingt ordentlich Pitta mit. Sonst wäre ich nicht in der Lage, neben kleinen Kind und Selbstständigkeit auch noch zu studieren, mir mein Online-Business aufzubauen und mich am Filmfestival der Uni zu beteiligen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, Grins.

Viele Pitta-Menschen haben ein Helfer-Syndrom. Sie sind nämlich mitfühlend, sensibel und können sich schnell in andere hineinversetzen. Der schnelle Verstand lässt sie schnell das Problem, aber auch die Lösung erkennen und drängen danach, den anderen Menschen die Lösung näher zu bringen. Durch die innere Ungeduld, stülpen viele Pitta-Menschen ihre Lösung aber leider über die anderen und überfordern sie damit oftmals. Jajaja, auch ich musste das lernen. Schließlich habe ich es ja nur gut gemeint! Im Laufe der Zeit habe ich jedoch verstanden, dass es nicht immer nur um die Lösung geht, sondern auch und sehr stark um den Weg dahin. Ich kann andere darin begleiten, aber ihnen den Weg nicht abnehmen. Das ist nicht nur ein wichtiger Prozess, sondern ein heiliger!

Grenzen einzuhalten-die der anderen Menschen, aber auch die eigenen- das ist ein stetiger Lernprozess des Pitta-Menschen. Eben auch, auf seine Kräfte zu achten, um nicht in einen Burnout zu rennen.

Außerdem bietet Pitta im gesunden Zustand eine latente Wut oder ein hitziges Gemüt. Dieses sollte man ohne Bewertung einfach nur wahrnehmen und darauf achten, die Wut kanalisiert und regelmäßig herauszulassen. Andernfalls richtet sich dann geballte Aggression erst gegen sich selbst und gegen das eigene Gewebe. Ein Weg dazu sollte sein, seine Wut nicht zu unterdrücken und zu sammeln, bis der Vulkan ausbricht und dann rette sich, wer kann. Besser wäre zum Beispiel die Wut durch Sport zu kanalisieren. In meinen Sitzungen habe ich mit vielen Menschen, vor allem mit Frauen, regelrechte Wut-Therapie gemacht. Sie haben das überschüssige, angekettete Pitta befreit und so konnten wir weitere Schritte einleiten, das Pitta und die Tridosha zu harmonisieren.

Was ist ein Kapha-Typ?

Kapha ist verbunden mit den Elementen Wasser (Ap) und Erde (Prithivi).

Der Kapha-Typ ist eben genau das, was wir bezeichnen als ‚geerdet‘, ‚auf dem Boden der Tatsachen geblieben‘, ‚bodenständig‘, ‚Fels in der Brandung‘.

Auf das Wort des Kapha-Menschen kann man sich tausend-prozentig verlassen.

„Schwer“, das trifft für den Kapha-Typen auf verschiedenen Ebenen zu. So neigt dieser Typ in der Körperstruktur eher zu Rundungen bis hin zur Adipositas (Fettleibigkeit).

Auch die Gedanken können teils schwer sein und Änderungen des Lebens oder von Entscheidungen blickt der Kapha-Mensch meist schwer entgegen. Das heißt, es fällt ihm nicht einfach, neue Entscheidungen zu treffen oder sie umzusetzen.

Stabilität, Körperkraft und ein starkes Immunsystem findet man hier.

Lokalisation im Körper

Nicht nur der Konstitutionstyp, sondern viele weitere Bereiche werden in Vatha, Pitta und Kapha eingeteilt. So auch der Sitz des Körpers.

Alle drei Doshas finden sich im gesamten Körper wieder und wirken in ihren für sie spezifischen Funktionen. Dennoch kann als grobe Einteilung gesagt werden, dass der Sitz von Kapha vom Kopf bis ca. Magengegend liegt, die Pitta-Region wiederum befindet sich von ca. Magen bis ca. Bauchnabel und die Vatha-Region ab ca. Bauchnabel bis zu den Füßen.

Darüber hinaus wird in den alten Texten sehr genau beschrieben, welche Körperteile und Organe in welches Dosha gehören.

Unabhängig von dem Sitz laufen jedoch Dosha-Prozesse in allen Regionen des Körpers, in der jeweiligen Funktion. So hat Pitta eine Stoffwechsel-Funktion, Vatha das Bewegungsprinzip, also auch die Bewegung des Blutes und Kapha für den Zusammenhalt der Körperstrukturen.

Ihre Funktionen wirken insgesamt ausgleichend. So normalisiert Kapha beispielsweise, wenn Pitta eine zu hohe Hitze produziert oder Vatha Gelenke zu sehr abnutzt. Ebenso finden sich ausgleichende Prozesse durch Pitta auf Vatha und Kapha oder auch Prozesse von Vatha auf Pitta und Kapha.

Erkrankungen

Neben dem Konstitutionstyp (Prakrithi) und den Körperregionen werden zudem die Erkrankungen oder Symptome (Vrikrithi) auch in Vatha, Pitta oder Kapha eingeteilt. Die Störungen werden ausgelöst durch die Inbalance der Tridosha. Tritt eines der Doshas aus seiner Position, so verlassen auch die anderen beiden ihre Position, wie bei einer Waagschale. Die Störungen können dabei sowohl durch eine Über- als auch eine Unterfunktion der Doshas entstehen. Der Sitz der Störung wiederum ergibt sich aus dem Sitz der Doshas im Körper.

Typische Symptome von Vatha-Störungen:

Blähungen, Verstopfungen, Schmerzen, Kreislaufstörungen, Störungen der Bewegungsabläufe, Störung des Menstruationsflusses, Potenzstörung, Taubheit, Störungen der Aufnahmefähigkeit der Sinne, Störungen des Höhrvermögens, Störungen des Tastsinns.

 

Typische Symptome von Pitta-Störungen:

Störungen von Agni (Verdauungsfeuer), Verdauungsprobleme, Stoffwechselprobleme, Beeinträchtigungen des Blutes, geistige Unbeweglichkeit, Mutlosigkeit, Störung des Sehvermögens, Störung des Tastsinns, Brenngefühl, Ekzeme, entzündliche Prozesse.

 

Typische Symptome von Kapha-Störungen:

Zysten, Geschwüre, Störung des Geschmacksinns, Instabile Körperhaltung, Abnutzung der Gelenke, schleimbildende Erkrankungen, usw.

 

Äußere Faktoren

Unabhängig von unseren Konstitutionstypen oder Erkrankungen, erhöht sich unser Vatha, Pitta oder Kapha in uns durch äußere Faktoren. Diese wirken natürlich entsprechend ihrer Natur auf uns und unsere inneren Prozesse, auf unseren Gemütszustand, unsere Verdauung, unseren Schlaf usw:

A) Tageszeiten

02-06 Uhr: Vatha

06-10 Uhr: Kapha

10-14 Uhr: Pitta

14-18 Uhr: Vatha

18-22 Uhr: Kapha

22-2 Uhr: Pitta

 

B) Lebenszeiten

Kapha-Lebensphase:
Geburt bis ca. Menarche (erste Menstruation):
Hier findet besonders Wachstum statt, viele schleimbildende Prozesse und Erkrankungen, die Stabilität des Menschen erwacht

Pitta-Lebensphase:
Ca. Menarche bis Klimakterium.
In der Zeit der ersten bis zur letzten Menstruation einer Frau – bei dem männlichen Geschlecht ist es ähnlich, nur schwerer einzugrenzen- ist die feurige Zeit des Lebens. Hier werden Ziele gesetzt und erreicht, werden Kämpfe ausgefochten, Hormone spielen eine wesentliche Rolle und

Vatha-Lebensphase:
Ca. Klimakterium bis Tod:
Nun trocknen Haut und Lebenssäfte nach und nach ein, Schmerzen und Erkrankungen des Gelenkapparates und des Nervensystems nehmen zu.

 

C) Klimazonen & Jahreszeiten

Klimazonen und Jahreszeiten, die eher sehr sonnig, warm, hitzig sind, wüstenartig, sind eher Pitta-relevant.

Hingegen weisen Klimazonen und Jahreszeiten, die beispielsweise schneebedeckt sind oder in denen es viel regnet eher Kapha-lastig.

Vatha erhöht sich vor allem bei kalten, trockenen und auch windigen Klima.

 

Allgemein erhöht sich zudem das Vatha in uns:

  • Nach der Verdauung, d.h. ca. 2 Stunden nach der Mahlzeit
  • Nahrungsmittel, die trocken, kalt und geringen Nährwert aufweisen
  • Erschöpfung nach viel Arbeit, Sport, Überanstrengung, Sex
  • Nach Verletzungen
  • Bei Angst, Sorgen, Stress, Trauer, intensiver Lust
  • Bei Schlafmangel

 

Das Pitta erhöht sich in uns:

  • Während der Verdauung
  • Bei Nahrung, die ölig, trocken, heiß, scharf und sauer sind
  • Nach heißer Dusche/Bad
  • Sauna
  • Während des Fastens
  • Nichtbeachtung von Hunger und Durst
  • Bei Wut, Hass, Eifersucht, übertriebenen Perfektonismus

Das Kapha erhöht sich in uns:

  • Unmittelbar nach dem Essen
  • Bei zuviel Nahrung
  • Nahrung, die süß, ölig, fettig, salzig und kalt sind
  • Schlaf, zuviel Schlaf, tagsüber Schlaf
  • Körperliche Inaktivität
  • Habgier, Geiz, Trägheit

 

Es ist sehr wichtig, diese äußeren Faktoren nicht mit dem Konstitutionstyp (Prakrithi) oder Erkrankungen zu verwechseln bzw. zu vermischen. Werden die schon beschriebenen Fragebögen nicht spezifisch genug ausgearbeitet, dann ist die Gefahr jedoch ziemlich groß.

Außerdem muss bei der Bestimmung von Konstitutionstyp, der Diagnose und der Behandlung all diese Faktoren berücksichtigt werden.

 

Heute hast du mal ein wenig mehr Einblick erhalten in Tridosha, die Lebensenergien Vatha, Pitta und Kapha.

Obwohl ich mich immer noch an der Oberfläche befinde, kannst du erkennen, wie tiefgreifend das Wissen aus Ayurveda ist. Also, das nächste mal, wenn dir ein Fragebogen in einem Kochbuch oder einem Magazin unter die Nase kommt, bist du in der Lage, das ganze ein wenig differenzierter zu betrachten.

Tauche mit mir ein, in den tiefen Ozean und entdecke die wunderbare und faszinierende Welt von Ayurveda!

 

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Lachende Grüße & Keep Shyneying!

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