Die siebte Jahreszeit – Der Karneval!

In meinem letzten Blog-Artikel „Rtucarya Adhyaya“ habe ich dir darüber berichtet, dass es aus ayurvedischer Sicht nicht vier, sondern sechs Jahreszeiten gibt. Dabei habe ich dir beschrieben, welche Wirkung sie auf uns, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben und wie wir Einfluss nehmen können. Falls du den Artikel verpasst haben solltest, schau hier einfach noch mal rein!

Heute möchte ich mal die siebte Jahreszeit, den Karneval beleuchten. Zwar habe ich bisher diese Jahreszeit noch nicht in den alten Schriften von Ayurveda und Yoga gefunden, dafür kann ich sie heute umso mehr erleben – hahaha.

 

Karneval ist doch schon längst vorbei!

Denkste! Der Karneval ist in Deutschland vorbei. Ja, das stimmt. Auf den Kanaren noch lange nicht. Der letzte große Umzug auf Lanzarote wird erst am 30. März stattfinden.

Der deutsche Fasching

In Deutschland kennen wir es eher so, dass der Karneval am 11.11 um 11:11 Uhr beginnt. Die Narren können nun auch offiziell ihren Blödsinn erzählen. Da ich aus dem Ruhrgebiet stamme, verbinde ich den deutschen Karneval eher mit der Narrenzeit des rheinischen Karnevals. Mit irgendwelchen Prinzen, die komische Mützen tragen und Funkenmariechen, die beinschwingend und grinsend durch die Gegend hüpfen. Ich möchte an dieser Stelle niemanden beleidigen. Nur habe ich persönlich so gar keinen Bezug dazu und die (Entstehungs)Geschichte zu Prinzen und Funkenmariechen hat mich ehrlich gesagt bisher noch nie interessiert. Vielleicht ein fataler Fehler und vielleicht ist mir da was Tolles entgangen. Klar, kenne ich die medialen Bilder aus Düsseldorf, Köln (die Reihenfolge ist zufällig, hahaha) und Mainz. Ich sehe große Hallen, in denen die „Jecken“ auf Hochtouren merkwürdige Witze reißen und dann kommt das berühmte Tata, Tata, Tataaa. Es werden Witze gemacht über Politiker, die teils verkleidet und social media-tauglich zum Besten geben, wie humorvoll sie doch sind. Besonders können sie das zur Schau stellen, wenn sie selbst auf der Bühne stehen. Dass das auch in die Hose gehen kann, konnten wir kürzlich bei AKK beobachten. Wahrscheinlich hast du meinen Unterton mitbekommen und kannst dir denken, dass das alles nicht so meins ist. Aber ich gönne jedem von Herzen diesen Fun.

Zu Rosenmontag gibt es dann die großen Umzüge, die für großen Spaß sorgen. Aufwendig hergestellte Wägen ziehen durch die Straßen, die Menschen verkleiden sich und feiern ausgelassen. Kamelle werden verteilt und die Menschen genießen die Stimmung. Was mir besonders viel Spaß als Auszubildende bereitet hat: Zu Weiberfastnacht die Krawatte des Chefs durchzuschneiden und schnell damit abzuhauen. Spaß für Kinder und Erwachsene.

Der (christliche) Hintergrund

Am Aschermittwoch werden die Feierlichkeiten dann beendet. Und die 40-tägige Fastenzeit beginnt.

Das Wort Karneval stammt von dem lateinischen carne levare, das so viel bedeutet wie ‚Fleisch wegnehmen‘. Auch im Griechischen kann man eine Bezeichnung finden, die so viel heißt wie ‚Fleisch, lebe wohl!‘ Es geht darum, sich von dem Fleisch und von Gelüsten laut zu verabschieden, bevor dann die Fastenzeit vor Ostern beginnt, die dann wiederum eher besinnlich, in sich gekehrt, vollzogen wird.

Naja, die Karnevalisten feiern zwar gern den Abschied vom Fleisch. Jedoch möchte ich mal die freche Behauptung aufstellen, dass (wenn überhaupt) nur ein Bruchteil dieser Fleisch-Verabschieder in der Fastenzeit tatsächlich auf Fleisch verzichtet – im alimentären und im sexuellen Sinn.

 

Der spanische Karneval

Es war schon immer ein Traum von mir, mal den Karneval in Rio zu erleben. Denn auch wenn ich mit dem rheinischen Alaaf nix anfangen kann, hat mich das brasilianische Pendent gepackt.

Naja, aber immer dann, wenn ich eine Fernreise gemacht habe, ging sie geografisch in die andere Richtung. Eher nach Indien.

Als ich dann zum ersten Mal den Karneval auf Lanzarote erlebt habe, konnte ich mein Glück nicht fassen! Der kanarische Karneval ist zwar kleiner, aber ähnlich.

Und wenn die Spanier was können, dann: das Leben feiern! Es ist unglaublich, wie viel Spirit sie haben, wie lange sie lachen und tanzen können.

Sie lassen sich auch nicht von so unwichtigen Terminen wie Aschermittwoch bremsen. Deswegen feiern sie auch ca. 3 Wochen länger- so what?

Toll finde ich auch, dass nicht nur sexy Vamps oder Spargeltarzane in den Umzügen oder auf den Wagen mitfahren. Das Alter, die Größe, das Gewicht, ob hübsch oder häßlich – das alles spielt keine Rolle.

Jeder ist ein Teil der Gemeinschaft und alle feiern gemeinsam.

Wenn man das Trommelgewirbel hört, dann kann sich eigentlich keiner den heißen Rhythmen entziehen. Ob man tanzen kann oder nicht, aber da steht kein Fuß, keine Hüfte still!

Am meisten liebe ich dabei die typische spanische Fröhlichkeit, und wie sie das Leben einfach abfeiern! Das kommt meinem Wesen sehr nahe und damit fühle ich mich pudelwohl!

Lebensfreude pur!

 

Karneval verbindet

Viele Menschen empfinden den Karneval längst nicht mehr als Vorbereitung zur Fastenzeit. Teils erinnern sie sich nicht mal mehr an die christlichen Bedeutungshintergründe oder es ist ihnen schlichtweg egal.

Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen: Ich stehe hier nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und predige, welche Bedeutung die Kirche dem Ganzen beimisst.

Nein, im Gegenteil. Auch ich betrachte den Karneval nicht wirklich christlich. Und das ist auch gut so. Denn den Karneval gibt es weltweit mittlerweile in vielen Ländern. Er verbindet die Menschen in einem friedlichen Sinne miteinander.

Religionsübergreifend feiern die Menschen ausgelassen, vergessen ihre Sorgen und Nöte, Krieg und Korruption, Lobbyismus und Menschenrechtsverletzungen, Terrorismus und Mißbrauch. All das Leid und Elend, das sie aus ihrem eigenen Leben kennen oder das allabendlich durch die Nachrichten ins Wohnzimmer geflattert kommt.

Sie verkleiden sich, dürfen mal jemand anderes sein. So schlüpfen sie in Kostüme und sind Chirurg oder Superwoman. Viele nehmen sich selbst auf die Schippe und so können die Menschen gemeinsam viel Lachen. Das Alter, das Geschlecht, Herkunft, sexuelle Neigung, Religion, politische Einstellungen, favorisierte Fußballclubs oder andere Filter bzw. Stigmata, mit denen sich Menschen selbst identifizieren und auch eingeordnet werden, scheinen jetzt nicht relevant und wichtig zu sein.

Jeder kann mitmachen und so finden sich junge & alte Menschen, aber auch dicke und dünne Menschen. Wenn man keinen eigenen Waschbrettbauch hat und meint, einen zu brauchen, dann kann man sich den nun einfach umschnallen.

 

Energetisch betrachtet

Ayurvedisch schaue ich mir das Ganze mal ein anderes Mal an.

Hier möchte ich aber gern noch auf ein paar energetische Zusammenhänge hinweisen, die mir wichtig sind:

  1. Gemeinsam gegen einsam

Die Menschen in den Industrienationen verkümmern energetisch, spirituell und emotional immer mehr. Auf dem Weg zu ‚höher-weiter-schneller‘ verlieren die Menschen sehr viel: Erst Zeit, dann Kraft oder sich gegenseitig aus den Augen. Mehr und mehr verlieren sie ihre innere Ruhe, die Stabilität ihrer eigenen inneren Mitte und schließlich sich selbst. Wenn nur noch geleistet und gearbeitet wird, bleibt wenig Zeit und Raum, um das Leben zu genießen. Insbesondere mit anderen Menschen gemeinsam. Sehr viele Menschen vereinsamen zunehmend. So sind Events wie der Karneval eine Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, neue Menschen kennen zu lernen und mit ihnen eine tolle Zeit zu erleben.

Immer, wenn Menschen für eine Idee zusammenkommen, gemeinsam sozusagen in eine Richtung denken, ihren Geist lenken, entsteht gute Energie. Das spüren selbst die härtesten Bürohengste. Sie würden zwar nicht sagen, dass sie sich energetisch aufgeladen haben, sondern eher, dass sie Spaß hatten. Whatever, sie haben es gespürt und es hat ihnen Kraft aufgetankt.

  1. Blickkontakt

Der Blickkontakt ist die kürzeste Distanz zwischen zwei Menschen.

Doch was macht der „Otto-Normal-Deutsche“? Blickkontakt vermeiden! Denk mal daran, wie sich die meisten Menschen verhalten, wenn sie in einen Aufzug steigen. Sie schauen sich einmal (aber sehr wichtig: nur kurz!) um, aber sofort danach wandert der Blick schnellstens nach oben, zur Seite oder zum Boden. Gern werden auch Aufkleber, Sicherheitshinweise oder ähnliches fixiert, als wollten sie den armen Aufkleber hypnotisieren.

Kennst du das? Vielleicht auch von dir selbst? Den Blickkontakt zu vermeiden hilft uns, Distanz zu bewahren. In manchen Situationen ist das sehr sinnvoll oder hilfreich. Sollte ich einem Hooligan begegnen, werde auch ich keinen Blickkontakt suchen. Aber ansonsten, in ‚normalen‘ Umständen schon.

Wenn wir anderen Menschen in die Augen sehen, verbinden wir uns, werden ruhiger und sind nicht mehr einsam. Im Karneval, während des Feierns kann man schön beobachten, wie die Menschen sich in die Augen schauen und danach gegenseitig anlächeln oder miteinander lachen. Auch völlig fremde Menschen. Sie verbinden sich damit miteinander und sie spüren die Gemeinschaft.

  1. Friede, Freude, Eierkuchen

Beim Karneval können die Menschen friedlich miteinander gemeinsam sein. Dabei geht es nicht allein um das Feiern oder den Spaß. Sondern auch um den Frieden und die Freude darüber.

In unserer heutigen Zeit werden wir täglich überfrachtet von scheußlichsten Nachrichten, über grausame Terroristen, Krieg, hungernde Kinder, ertrunkene Flüchtlinge, Vergewaltigungen. Weil das anscheinend noch lange nicht ausreicht, lassen sich viele abends vor dem Fernseher mit spannenden Krimis oder Action-Filmen berieseln. In diesen Filmen geht es dann wieder um Mord, Korruption, Betrug – all die schlechten Seiten des Menschen. Das Internet, ungefragte Fenster, die aufploppen, Werbung, die plötzlich ins Bild fliegt, all das verstärkt es nur weiter.

Unser Geist wird so permanent mit schlimmsten Bildern bespielt. Das macht was mit uns. Auf Dauer betrachtet verkümmern nicht nur unsere Emotionen, sondern es entsteht unbewusst ein sehr schlechtes, gefährliches und bedrohliches Bild der Welt, in der wir irgendwie überleben müssen.

An Tagen wie Karneval können wir all das mal ein paar Tage lang ein wenig zur Seite schieben. Aber mehr als das. Denn es ist nicht nur eine reine Verschiebung oder Verdrängung. Sondern wir schaffen für unseren Geist Erfahrungen. Erfahrungen, dass die Welt nicht nur böse ist. Dass es auch schöne Seiten gibt. Diese Erinnerung brauchen wir dringend und viel öfter, auch in unserem Alltag.

  1. Auslachen

Ich lache für mein Leben gern. Lachen ist mein liebstes Hobby und das mache ich jeden Tag!

Viele sagen mir, dass mein Lachen ansteckend ist. Und seit ich nicht nur Yoga-Lehrerin, sondern zudem Lach-Yoga-Lehrerin geworden bin, lache ich auch noch professionell.

Ein Lächeln, ein Lachen verbindet die Menschen schnell, einfach und sehr wohltuend miteinander.

Doch mir ist dabei wichtig, dass das Lachen nicht auf Kosten von anderen geht. Ich möchte niemanden auslachen. Lachen wir Menschen oder einzelne Personen kollektiv aus, so verstärkt sich dieses negative Gefühl.
Auf Kosten anderer zu Lachen, wird dich niemals nähren, es wird dich niemals erfüllen. Es stärkt nicht, sondern entzieht dir Kraft.

Und umgekehrt hast vielleicht auch du mal selbst die Erfahrung gemacht, dass man dich ausgelacht hat. Hast du dich dabei gut gefühlt? Ich wurde in meinem Leben schon sehr oft ausgelacht. Und glaube mir, ich hatte nicht immer das Selbstbewusstsein, das ich heute habe! Früher hat es mich sehr belastet, ich habe mich schlecht, einsam und klein gefühlt. Und es hat Schübe meiner damaligen Neurodermitis ausgelöst. DAS möchte ich in anderen nicht auslösen!

Aus diesen Gründen finde ich viele der Narrenwitze nicht gut. Da lacht eine ganze Halle darüber, wie zum Beispiel Politiker in den Dreck gezogen werden. Im Fernsehen übertragen, erreichen diese Witze dann ein Millionen-Publikum. Ich habe gar nichts dagegen, wenn mal ein Witz über Politiker gemacht wird. Da lache ich auch. So gibt es beispielsweise einige Comedians und Satiriker, die sozialkritisch ihre Witze machen, die Politik auf’s Korn nehmen und dabei wichtige Impulse zum Nachdenken liefern. Es geht mir einfach um die Art und Weise. Denn in der Narrenzeit wird das teils unter der Gürtellinie bis ans Absurdum geführt. Ich finde: Das muss nicht sein! Zwar kriegt ein/e Politiker/in nicht direkt mit, wenn ich über ihn /sie lache. Aber ich wäre ein Teil des Kollektivs und damit drin, in der Verantwortung. Es geht mir darum, immer respektvoll miteinander umzugehen. Und das schließt auch Politiker mit ein, selbst wenn mir ihre Arbeit nicht gefällt.

  1. Ganz im Hier und Jetzt

Wie ich in meiner Podcast-Episode zum Jahreswechsel beschrieben habe, verbringen die meisten Menschen viel zu viel Zeit in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Meist sind die verbundenen Gefühle dabei nicht angenehm. Wenn wir in die Vergangenheit hüpfen, dann kommen oftmals entweder Vorwürfe hoch oder Gedanken, dass es früher besser war. Damit sagt man aber einerseits, dass es heute schlechter ist und andererseits ist das vergangene nicht mehr veränderbar.

Blicken wir in die Zukunft, dann treffen wir auf eine ganze Menge Ängste. Wie Prüfungsangst oder man fragt sich, ob es bald überhaupt noch eine Rente gibt.

Wir sollten viel mehr im Hier und Jetzt sein, denn wir SIND hier und jetzt. Wenn wir nicht in der Gegenwart sind, können wir nur ein verdrehtes Morgen erschaffen, das ist völlig logisch!

Wenn wir im Karneval feiern, mit anderen Menschen Gemeinschaft spüren, uns freuen und viel Spaß haben, dann erschaffen wir Erinnerungen. Erinnerungen, die bleiben. Diese Erinnerungen können wir auch später vor unserem geistigen Auge hervorholen und uns nochmal darüber freuen. Wenn du alt wirst und auf dein Leben zurückblickst, dann siehst du wahrscheinlich nicht voller Freude, dass du nur gearbeitet und dich aufgerieben hast. Aber an die echten Begegnungen deines Lebens wirst du dich immer erinnern! In Freude.

 

Nun hast du mal einen Einblick bekommen, wie ich persönlich Karneval erlebe und empfinde. Für mich ist Karneval weit aus mehr als nur eine Horde Menschen, die sich verkleiden und feiern oder mal ein paar Regeln über Board werfen.

Gemeinschaft zu spüren, mit anderen Menschen friedlich zu feiern, die Sorgen und das Schlechte der Welt ein paar Momente vergessen. Sich in die Augen schauen, sich mit anderen zu verbinden, gemeinsam zu lachen und damit freudvolle Erinnerungen zu schaffen. Lachen, aber nicht auslachen, sich gegenseitig respektieren und einfach mal den Spaß und heiße Rhythmen genießen! Und dabei ganz im Hier und Jetzt zu sein!

Wenn du das nächste Mal feiern gehst – es muss sich ja nicht nur auf den Karneval beschränken – dann wünsche ich dir von Herzen all das!

Shyney up your life!

 

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Lachende Grüße und Keep Shyneying!

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