Die siebte Jahreszeit – Der Karneval!

In meinem letzten Blog-Artikel „Rtucarya Adhyaya“ habe ich dir darüber berichtet, dass es aus ayurvedischer Sicht nicht vier, sondern sechs Jahreszeiten gibt. Dabei habe ich dir beschrieben, welche Wirkung sie auf uns, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben und wie wir Einfluss nehmen können. Falls du den Artikel verpasst haben solltest, schau hier einfach noch mal rein!

Heute möchte ich mal die siebte Jahreszeit, den Karneval beleuchten. Zwar habe ich bisher diese Jahreszeit noch nicht in den alten Schriften von Ayurveda und Yoga gefunden, dafür kann ich sie heute umso mehr erleben – hahaha.

 

Karneval ist doch schon längst vorbei!

Denkste! Der Karneval ist in Deutschland vorbei. Ja, das stimmt. Auf den Kanaren noch lange nicht. Der letzte große Umzug auf Lanzarote wird erst am 30. März stattfinden.

Der deutsche Fasching

In Deutschland kennen wir es eher so, dass der Karneval am 11.11 um 11:11 Uhr beginnt. Die Narren können nun auch offiziell ihren Blödsinn erzählen. Da ich aus dem Ruhrgebiet stamme, verbinde ich den deutschen Karneval eher mit der Narrenzeit des rheinischen Karnevals. Mit irgendwelchen Prinzen, die komische Mützen tragen und Funkenmariechen, die beinschwingend und grinsend durch die Gegend hüpfen. Ich möchte an dieser Stelle niemanden beleidigen. Nur habe ich persönlich so gar keinen Bezug dazu und die (Entstehungs)Geschichte zu Prinzen und Funkenmariechen hat mich ehrlich gesagt bisher noch nie interessiert. Vielleicht ein fataler Fehler und vielleicht ist mir da was Tolles entgangen. Klar, kenne ich die medialen Bilder aus Düsseldorf, Köln (die Reihenfolge ist zufällig, hahaha) und Mainz. Ich sehe große Hallen, in denen die „Jecken“ auf Hochtouren merkwürdige Witze reißen und dann kommt das berühmte Tata, Tata, Tataaa. Es werden Witze gemacht über Politiker, die teils verkleidet und social media-tauglich zum Besten geben, wie humorvoll sie doch sind. Besonders können sie das zur Schau stellen, wenn sie selbst auf der Bühne stehen. Dass das auch in die Hose gehen kann, konnten wir kürzlich bei AKK beobachten. Wahrscheinlich hast du meinen Unterton mitbekommen und kannst dir denken, dass das alles nicht so meins ist. Aber ich gönne jedem von Herzen diesen Fun.

Zu Rosenmontag gibt es dann die großen Umzüge, die für großen Spaß sorgen. Aufwendig hergestellte Wägen ziehen durch die Straßen, die Menschen verkleiden sich und feiern ausgelassen. Kamelle werden verteilt und die Menschen genießen die Stimmung. Was mir besonders viel Spaß als Auszubildende bereitet hat: Zu Weiberfastnacht die Krawatte des Chefs durchzuschneiden und schnell damit abzuhauen. Spaß für Kinder und Erwachsene.

Der (christliche) Hintergrund

Am Aschermittwoch werden die Feierlichkeiten dann beendet. Und die 40-tägige Fastenzeit beginnt.

Das Wort Karneval stammt von dem lateinischen carne levare, das so viel bedeutet wie ‚Fleisch wegnehmen‘. Auch im Griechischen kann man eine Bezeichnung finden, die so viel heißt wie ‚Fleisch, lebe wohl!‘ Es geht darum, sich von dem Fleisch und von Gelüsten laut zu verabschieden, bevor dann die Fastenzeit vor Ostern beginnt, die dann wiederum eher besinnlich, in sich gekehrt, vollzogen wird.

Naja, die Karnevalisten feiern zwar gern den Abschied vom Fleisch. Jedoch möchte ich mal die freche Behauptung aufstellen, dass (wenn überhaupt) nur ein Bruchteil dieser Fleisch-Verabschieder in der Fastenzeit tatsächlich auf Fleisch verzichtet – im alimentären und im sexuellen Sinn.

 

Der spanische Karneval

Es war schon immer ein Traum von mir, mal den Karneval in Rio zu erleben. Denn auch wenn ich mit dem rheinischen Alaaf nix anfangen kann, hat mich das brasilianische Pendent gepackt.

Naja, aber immer dann, wenn ich eine Fernreise gemacht habe, ging sie geografisch in die andere Richtung. Eher nach Indien.

Als ich dann zum ersten Mal den Karneval auf Lanzarote erlebt habe, konnte ich mein Glück nicht fassen! Der kanarische Karneval ist zwar kleiner, aber ähnlich.

Und wenn die Spanier was können, dann: das Leben feiern! Es ist unglaublich, wie viel Spirit sie haben, wie lange sie lachen und tanzen können.

Sie lassen sich auch nicht von so unwichtigen Terminen wie Aschermittwoch bremsen. Deswegen feiern sie auch ca. 3 Wochen länger- so what?

Toll finde ich auch, dass nicht nur sexy Vamps oder Spargeltarzane in den Umzügen oder auf den Wagen mitfahren. Das Alter, die Größe, das Gewicht, ob hübsch oder häßlich – das alles spielt keine Rolle.

Jeder ist ein Teil der Gemeinschaft und alle feiern gemeinsam.

Wenn man das Trommelgewirbel hört, dann kann sich eigentlich keiner den heißen Rhythmen entziehen. Ob man tanzen kann oder nicht, aber da steht kein Fuß, keine Hüfte still!

Am meisten liebe ich dabei die typische spanische Fröhlichkeit, und wie sie das Leben einfach abfeiern! Das kommt meinem Wesen sehr nahe und damit fühle ich mich pudelwohl!

Lebensfreude pur!

 

Karneval verbindet

Viele Menschen empfinden den Karneval längst nicht mehr als Vorbereitung zur Fastenzeit. Teils erinnern sie sich nicht mal mehr an die christlichen Bedeutungshintergründe oder es ist ihnen schlichtweg egal.

Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen: Ich stehe hier nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und predige, welche Bedeutung die Kirche dem Ganzen beimisst.

Nein, im Gegenteil. Auch ich betrachte den Karneval nicht wirklich christlich. Und das ist auch gut so. Denn den Karneval gibt es weltweit mittlerweile in vielen Ländern. Er verbindet die Menschen in einem friedlichen Sinne miteinander.

Religionsübergreifend feiern die Menschen ausgelassen, vergessen ihre Sorgen und Nöte, Krieg und Korruption, Lobbyismus und Menschenrechtsverletzungen, Terrorismus und Mißbrauch. All das Leid und Elend, das sie aus ihrem eigenen Leben kennen oder das allabendlich durch die Nachrichten ins Wohnzimmer geflattert kommt.

Sie verkleiden sich, dürfen mal jemand anderes sein. So schlüpfen sie in Kostüme und sind Chirurg oder Superwoman. Viele nehmen sich selbst auf die Schippe und so können die Menschen gemeinsam viel Lachen. Das Alter, das Geschlecht, Herkunft, sexuelle Neigung, Religion, politische Einstellungen, favorisierte Fußballclubs oder andere Filter bzw. Stigmata, mit denen sich Menschen selbst identifizieren und auch eingeordnet werden, scheinen jetzt nicht relevant und wichtig zu sein.

Jeder kann mitmachen und so finden sich junge & alte Menschen, aber auch dicke und dünne Menschen. Wenn man keinen eigenen Waschbrettbauch hat und meint, einen zu brauchen, dann kann man sich den nun einfach umschnallen.

 

Energetisch betrachtet

Ayurvedisch schaue ich mir das Ganze mal ein anderes Mal an.

Hier möchte ich aber gern noch auf ein paar energetische Zusammenhänge hinweisen, die mir wichtig sind:

  1. Gemeinsam gegen einsam

Die Menschen in den Industrienationen verkümmern energetisch, spirituell und emotional immer mehr. Auf dem Weg zu ‚höher-weiter-schneller‘ verlieren die Menschen sehr viel: Erst Zeit, dann Kraft oder sich gegenseitig aus den Augen. Mehr und mehr verlieren sie ihre innere Ruhe, die Stabilität ihrer eigenen inneren Mitte und schließlich sich selbst. Wenn nur noch geleistet und gearbeitet wird, bleibt wenig Zeit und Raum, um das Leben zu genießen. Insbesondere mit anderen Menschen gemeinsam. Sehr viele Menschen vereinsamen zunehmend. So sind Events wie der Karneval eine Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, neue Menschen kennen zu lernen und mit ihnen eine tolle Zeit zu erleben.

Immer, wenn Menschen für eine Idee zusammenkommen, gemeinsam sozusagen in eine Richtung denken, ihren Geist lenken, entsteht gute Energie. Das spüren selbst die härtesten Bürohengste. Sie würden zwar nicht sagen, dass sie sich energetisch aufgeladen haben, sondern eher, dass sie Spaß hatten. Whatever, sie haben es gespürt und es hat ihnen Kraft aufgetankt.

  1. Blickkontakt

Der Blickkontakt ist die kürzeste Distanz zwischen zwei Menschen.

Doch was macht der „Otto-Normal-Deutsche“? Blickkontakt vermeiden! Denk mal daran, wie sich die meisten Menschen verhalten, wenn sie in einen Aufzug steigen. Sie schauen sich einmal (aber sehr wichtig: nur kurz!) um, aber sofort danach wandert der Blick schnellstens nach oben, zur Seite oder zum Boden. Gern werden auch Aufkleber, Sicherheitshinweise oder ähnliches fixiert, als wollten sie den armen Aufkleber hypnotisieren.

Kennst du das? Vielleicht auch von dir selbst? Den Blickkontakt zu vermeiden hilft uns, Distanz zu bewahren. In manchen Situationen ist das sehr sinnvoll oder hilfreich. Sollte ich einem Hooligan begegnen, werde auch ich keinen Blickkontakt suchen. Aber ansonsten, in ‚normalen‘ Umständen schon.

Wenn wir anderen Menschen in die Augen sehen, verbinden wir uns, werden ruhiger und sind nicht mehr einsam. Im Karneval, während des Feierns kann man schön beobachten, wie die Menschen sich in die Augen schauen und danach gegenseitig anlächeln oder miteinander lachen. Auch völlig fremde Menschen. Sie verbinden sich damit miteinander und sie spüren die Gemeinschaft.

  1. Friede, Freude, Eierkuchen

Beim Karneval können die Menschen friedlich miteinander gemeinsam sein. Dabei geht es nicht allein um das Feiern oder den Spaß. Sondern auch um den Frieden und die Freude darüber.

In unserer heutigen Zeit werden wir täglich überfrachtet von scheußlichsten Nachrichten, über grausame Terroristen, Krieg, hungernde Kinder, ertrunkene Flüchtlinge, Vergewaltigungen. Weil das anscheinend noch lange nicht ausreicht, lassen sich viele abends vor dem Fernseher mit spannenden Krimis oder Action-Filmen berieseln. In diesen Filmen geht es dann wieder um Mord, Korruption, Betrug – all die schlechten Seiten des Menschen. Das Internet, ungefragte Fenster, die aufploppen, Werbung, die plötzlich ins Bild fliegt, all das verstärkt es nur weiter.

Unser Geist wird so permanent mit schlimmsten Bildern bespielt. Das macht was mit uns. Auf Dauer betrachtet verkümmern nicht nur unsere Emotionen, sondern es entsteht unbewusst ein sehr schlechtes, gefährliches und bedrohliches Bild der Welt, in der wir irgendwie überleben müssen.

An Tagen wie Karneval können wir all das mal ein paar Tage lang ein wenig zur Seite schieben. Aber mehr als das. Denn es ist nicht nur eine reine Verschiebung oder Verdrängung. Sondern wir schaffen für unseren Geist Erfahrungen. Erfahrungen, dass die Welt nicht nur böse ist. Dass es auch schöne Seiten gibt. Diese Erinnerung brauchen wir dringend und viel öfter, auch in unserem Alltag.

  1. Auslachen

Ich lache für mein Leben gern. Lachen ist mein liebstes Hobby und das mache ich jeden Tag!

Viele sagen mir, dass mein Lachen ansteckend ist. Und seit ich nicht nur Yoga-Lehrerin, sondern zudem Lach-Yoga-Lehrerin geworden bin, lache ich auch noch professionell.

Ein Lächeln, ein Lachen verbindet die Menschen schnell, einfach und sehr wohltuend miteinander.

Doch mir ist dabei wichtig, dass das Lachen nicht auf Kosten von anderen geht. Ich möchte niemanden auslachen. Lachen wir Menschen oder einzelne Personen kollektiv aus, so verstärkt sich dieses negative Gefühl.
Auf Kosten anderer zu Lachen, wird dich niemals nähren, es wird dich niemals erfüllen. Es stärkt nicht, sondern entzieht dir Kraft.

Und umgekehrt hast vielleicht auch du mal selbst die Erfahrung gemacht, dass man dich ausgelacht hat. Hast du dich dabei gut gefühlt? Ich wurde in meinem Leben schon sehr oft ausgelacht. Und glaube mir, ich hatte nicht immer das Selbstbewusstsein, das ich heute habe! Früher hat es mich sehr belastet, ich habe mich schlecht, einsam und klein gefühlt. Und es hat Schübe meiner damaligen Neurodermitis ausgelöst. DAS möchte ich in anderen nicht auslösen!

Aus diesen Gründen finde ich viele der Narrenwitze nicht gut. Da lacht eine ganze Halle darüber, wie zum Beispiel Politiker in den Dreck gezogen werden. Im Fernsehen übertragen, erreichen diese Witze dann ein Millionen-Publikum. Ich habe gar nichts dagegen, wenn mal ein Witz über Politiker gemacht wird. Da lache ich auch. So gibt es beispielsweise einige Comedians und Satiriker, die sozialkritisch ihre Witze machen, die Politik auf’s Korn nehmen und dabei wichtige Impulse zum Nachdenken liefern. Es geht mir einfach um die Art und Weise. Denn in der Narrenzeit wird das teils unter der Gürtellinie bis ans Absurdum geführt. Ich finde: Das muss nicht sein! Zwar kriegt ein/e Politiker/in nicht direkt mit, wenn ich über ihn /sie lache. Aber ich wäre ein Teil des Kollektivs und damit drin, in der Verantwortung. Es geht mir darum, immer respektvoll miteinander umzugehen. Und das schließt auch Politiker mit ein, selbst wenn mir ihre Arbeit nicht gefällt.

  1. Ganz im Hier und Jetzt

Wie ich in meiner Podcast-Episode zum Jahreswechsel beschrieben habe, verbringen die meisten Menschen viel zu viel Zeit in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Meist sind die verbundenen Gefühle dabei nicht angenehm. Wenn wir in die Vergangenheit hüpfen, dann kommen oftmals entweder Vorwürfe hoch oder Gedanken, dass es früher besser war. Damit sagt man aber einerseits, dass es heute schlechter ist und andererseits ist das vergangene nicht mehr veränderbar.

Blicken wir in die Zukunft, dann treffen wir auf eine ganze Menge Ängste. Wie Prüfungsangst oder man fragt sich, ob es bald überhaupt noch eine Rente gibt.

Wir sollten viel mehr im Hier und Jetzt sein, denn wir SIND hier und jetzt. Wenn wir nicht in der Gegenwart sind, können wir nur ein verdrehtes Morgen erschaffen, das ist völlig logisch!

Wenn wir im Karneval feiern, mit anderen Menschen Gemeinschaft spüren, uns freuen und viel Spaß haben, dann erschaffen wir Erinnerungen. Erinnerungen, die bleiben. Diese Erinnerungen können wir auch später vor unserem geistigen Auge hervorholen und uns nochmal darüber freuen. Wenn du alt wirst und auf dein Leben zurückblickst, dann siehst du wahrscheinlich nicht voller Freude, dass du nur gearbeitet und dich aufgerieben hast. Aber an die echten Begegnungen deines Lebens wirst du dich immer erinnern! In Freude.

 

Nun hast du mal einen Einblick bekommen, wie ich persönlich Karneval erlebe und empfinde. Für mich ist Karneval weit aus mehr als nur eine Horde Menschen, die sich verkleiden und feiern oder mal ein paar Regeln über Board werfen.

Gemeinschaft zu spüren, mit anderen Menschen friedlich zu feiern, die Sorgen und das Schlechte der Welt ein paar Momente vergessen. Sich in die Augen schauen, sich mit anderen zu verbinden, gemeinsam zu lachen und damit freudvolle Erinnerungen zu schaffen. Lachen, aber nicht auslachen, sich gegenseitig respektieren und einfach mal den Spaß und heiße Rhythmen genießen! Und dabei ganz im Hier und Jetzt zu sein!

Wenn du das nächste Mal feiern gehst – es muss sich ja nicht nur auf den Karneval beschränken – dann wünsche ich dir von Herzen all das!

Shyney up your life!

 

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Lachende Grüße und Keep Shyneying!

In dem heutigen Artikel erfährst du, wie die Jahreszeiten aus ayurvedischer Sicht betrachtet werden. Daraus ergeben sich ganz konkrete Handlungsanweisungen, um den Körper und den Geist auszubalancieren und präventiv Krankheiten entgegen zu wirken.

Ich lade dich dazu ein, das ein oder andere auch für dich umzusetzen und zu spüren, wie du damit dein Wohlbefinden steigern kannst. Erst gebe ich dir einen Überblick über die Jahreszeiten, zeige dir dann einige ihrer Wirkungen und danach ein paar konkrete Tipps, die du vor allem während der ersten Hälfte des Jahres umsetzen kannst.

In der ayurvedischen Lehre werden die verschiedenen Jahreszeiten berücksichtigt. Entsprechend dieser Jahreszeiten verändert sich nicht nur die Natur um uns herum, sondern auch Prozesse in unserem Körper und in der Balance unserer Lebensenergien Tridosha. Wenn du dich an den letzten Artikel erinnerst: Tridosha, das waren Vatha, Pitta und Kapha. Die Einflüsse der Jahreszeiten auf unsere Doshas sind jeweils verschieden und sollten in unseren daily routines Berücksichtigung finden.

Der Wechsel der Jahreszeiten

Wenn die Jahreszeiten wechseln, vor allem in den letzten sieben Tagen der alten und den ersten sieben Tagen der neuen Jahreszeit, ist besondere Vorsicht mit uns selbst geboten. Hier sind wir emotional eher labil und schneller aus der Bahn zu werfen. Labil ist nicht nur unser Gefühlszustand, sondern auch unser Immunsystem. So benötigen wir etwas mehr Schlaf und Stress sollte weitestgehend vermieden werden, um uns vor der Entstehung von Müdigkeit, Unwohlsein, Verdauungsstörungen und damit von Krankheit zu schützen.

Der Klimawandel unserer heutigen Zeit macht es uns natürlich sehr viel schwerer. Denn zum einen haben wir nicht mehr wie früher klar voneinander abgegrenzte Jahreszeiten. Zum anderen sind die langsamen Übergänge zwischen den Jahreszeiten kaum noch gegeben. Das Wetter wechselt schnell, hin und her und spielt teils verrückt. Vor zwei Wochen war es ungewöhnlich warm, in dieser Woche wütet ein heftiger Sturm. Diese langsamen Übergänge sind jedoch für die Akkumulation unseres Körpers so wichtig. Ohne sie sind wir anfälliger, Krankheiten zu entwickeln und Infekten zu erliegen.

Rtu – und davon auch noch sechs!

In der ayurvedischen Lehre werden nicht vier, sondern sechs verschiedene Jahreszeiten (rtu) aufgeführt und beschrieben. Sie lösen sich nacheinander alle zwei Monate ab und sind auch für unsere Breitengrade übersetzbar. Wie, das erkläre ich dir gleich.

Zudem gibt es zwei Hälften, die mit den Sonnenwenden zu tun haben. Ich bleibe bei meiner Beschreibung hier mal auf der Nordhalbkugel. Jede dieser Hälften führt drei Jahreszeiten.

Uttaryana – nördlicher Lauf der Sonne

Mit der Sonnenwende am 21. Dezember bewegt sich die Sonne in nördliche Richtung, bis sie am 21. Juni den nördlichsten Stand erreicht hat. Hier beginnen sisira, vasanta und grisma.

Sisira ist gekennzeichnet von Kälte, eine Zeit, die frisch ist und viel Tau zu sehen ist. Sie folgt auf den Winter und befindet sich vor dem Frühling. Diese Zeit kennen wir zwar hierzulande nicht als eigenständige Jahreszeit, dennoch können wir den hiesigen Winter einteilen in einen Bereich, der eher trocken ist und einen anderen, der eher feucht ist. Sisira kann man somit sozusagen als feuchten Winter verstehen.

Vasanta ist der Frühling und grisma der Sommer.

Die zugeordneten Monate sind:

sisira rtu (feuchte Winter): Mitte Januar bis Mitte März

vasanta rtu (Frühling): Mitte März bis Mitte Mai

grisma rtu (Sommer): Mitte Mai bis Mitte July

 

Wie eben beschrieben finden heutzutage aufgrund von Klimawandel jedoch einige Verschiebungen statt, die somit auch die Balance unserer Doshas beeinflussen.

Abnehmende Kraft

Diese drei –sisira, vasanta und grisma– sind auch bekannt als Adana kala. Das bedeutet ‚schwächende Zeit‘, da die Sonne den Menschen nun täglich Kraft entzieht. Dadurch, dass die Sonne zunimmt, ist es nicht verwunderlich, dass nun vermehrt das Element Feuer waltet.

Doch was soll das heißen? Die Sonne entzieht uns Kraft? Scheinbar kann das so überhaupt nicht stimmen. Vielleicht hast du in dir gerade einen inneren Widerstand gespürt, als du das gehört hast. Wahrscheinlich tendierst du nun eher dazu folgendes zu sagen: Der Winter macht müde und träge. Wenn sich der Winter allmählich verabschiedet und der Frühling sich zart ankündigt, die Sonne endlich mehr und mehr zu spüren ist, dann scheint das Leben gerade auf zu wachen. Und auch du fühlst dich fitter. Das scheint also ein Widerspruch zu dem zu sein, was in den alten Texten steht. Und glaube mir, ich habe ebenso gedacht.

Es ist aber kein Widerspruch! Denn in den alten Texten wird nicht nur von den zarten Änderungen in der Natur direkt nach dem Winter gesprochen. Sondern wird vielmehr diese Hälfte des Sonnenlaufs beschrieben, die ja im Hochsommer endet. Es wird gesagt, dass die Kraft der Sonne nun stetig, also täglich, zunimmt. Diese Kraft schwächt dich zunehmend. Das bemerkst du, wenn du im Hochsommer nicht den ganzen lieben Tag in der prallen Sonne sitzen kannst. Du würdest austrocknen. Wenn große Hitze herrscht bist du eben nicht voller Energie, sondern würdest dich am liebsten gar nicht mehr bewegen. Viele Menschen haben nun Kreislaufbeschwerden. Genauso wie zarte Blüten nicht gegen große Hitze ankommen und irgendwann die Köpfe senken, so kannst auch du keine große Hitze vertragen und steht deine Energie nicht am höchsten.

Genau das ist damit gemeint. Ich denke, dass du diese Beispiele verstehen und diese Einteilung nun nachvollziehen kannst.

Kraft des Menschen in den Jahreszeiten

Zudem heißt es auch in den alten Texten, dass wir Menschen -bezogen auf die Jahreszeiten- das Maximum unserer Kraft in zwei Jahreszeiten erreichen:

  1. sisira (feuchte Winter)
  2. hemanta (Winter)

Das Minimum schaffen wir nur in:

  1. grisma (Sommer) und
  2. varsa (Regenzeit)

Medium wären dann die übrigen Jahreszeiten.

Dakshinayana – Südlicher Lauf der Sonne

Auch wenn ich in dem heutigen Artikel diesen Teil nur kurz anreiße, möchte ich ihn doch wenigstens kurz der Vollständigkeit halber benennen.

Wir befinden uns nun in der zweiten Hälfte. Nach der Sonnenwende ab dem 21. Juni bewegt sich die Sonne Richtung Süden und findet am 21. Dezember die südlichste Position. Die Sonne verliert täglich ihre Kraft, hingegen gewinnt der kühlende Mond nun mehr Kraft. Nun ist die Zeit des Wasserelements. Die teils vom (Hoch)sommer ausgetrockneten Zellen jedes Lebewesens erhöhen nun ihren Wasseranteil und dies verleiht ihnen vermehrt Kraft.

Dies ist die Zeit von varsa, sarat und hemanta rtu. Sie ist die ,stärkende Zeit‘, sie gibt die Kraft der Menschen wieder frei. Der Mond ist dominanter und die Sonne verliert an Kraft. Die Erde kühlt wieder durch Regen, Wind und Wolken.

Varsa rtu ist die Regenzeit. In Indien bedeutet dies starke und anhaltende Regenfälle, der Monsoon. In dieser Form kennen wir keine Regenzeit in Europa. Dennoch können wir durchaus einiges der Wirkungen auf unsere Doshas, unser Gleichgewicht und die Entstehung von Krankheiten übertragen. Die Regenzeiten in Europa sind jedoch quer über das ganze Jahr verteilt und nicht separat zu betrachten.

Sarat ist der Herbst und hemanta der Winter.

Die zugeordneten Monate sind:

Varsa rtu (Regenzeit): Mitte July bis Mitte September

Sarat rtu (Herbst): Mitte September bis Mitte November

Hemanta rtu (Winter): Mitte November bis Mitte Januar

Anpassung an die Jahreszeiten

Die verschiedenen Jahreszeiten lösen jeweils andere Prozesse in uns aus und beeinflussen unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und unsere innere Harmonie. Um krankmachende Prozesse zu stoppen oder zu reduzieren und sich selbst zu stabilisieren, sollten wir uns entsprechend in unserem Verhalten und unserer Ernährung anpassen. Stattdessen ernährt sich Otto-Normal-Mensch mehr oder weniger gleich, das ganze Jahr über. Er erkennt zwar, dass er sich mal kraftvoller fühlt, mal nicht, schaut sich aber nicht unbedingt die Zusammenhänge mit den Jahreszeiten an.

Das möchte ich nun ein wenig ändern.
Da wir uns gerade in dem Übergang zwischen sisira (der feuchte Winter) und vasanta (dem Frühling) befinden, und varsa (Regenzeit) immer wieder auftaucht, möchte ich da besonders eingehen. Ich möchte dir ein paar konkrete Tipps und Hinweise geben, wie du dich mit der Natur im Einklang begeben kannst und damit deine innere Harmonie steigern kannst. Somit kannst du die derzeitige schwächende Zeit für dich abmildern, zusätzliche Belastungen minimieren und dich stärken.

 

Sisira rtu (feuchter Winter): Man sollte achten auf:

  • Vatha reduzierende Öle sollten auf Körper und Kopf einmassiert werden
  • Safran sollte eingesetzt werden
  • Fleischsuppe mit Fleisch von wohlgenährten Tieren, sie darf auch fettig sein
  • Rohrzucker und Milch
  • Getreide, Frisches Korn und Schwarzbohnenmehl vermehrt zu sich nehmen
  • Umsichtiger Umgang mit direkter Sonneneinstrahlung muss zunehmend bedacht werden

Varsa rtu (Regenzeit)

  • Die Regenzeit in Europa kann man quasi als ganzjährig einordnen.
  • Sie schwächt das Agni, also die Verdauungskraft, der Menschen. Diese werden anfälliger für Erkrankungen. Die Doshas weisen die Tendenz zur Steigerung bishin zur Überfunktion aus.
    Dies wird unter anderem ausgelöst durch Wolken, die den Regen tragen, kalter Wind, Schnee, etc.
  • Die Anpassung erfolgt einerseits in reinigenden Verhalten wie Einläufen. Andererseits durch harmonisierende Maßnahmen auf die Doshas wie Nahrung. Extreme sollten vermieden werden, wie beispielsweise Hitze, große Kälte, heftiger Wind, viel Sonneneinstrahlung.
  • Die Nahrung sollte bitter, süß, astringent und leicht verdauulich sein.

Vasanta rtu (Frühling):

Das vermehrte Kapha und das vermehrte Agni (Verdauungsfeuer) aus der Winterzeit vermindert sich nun. Das Kapha schmilzt sozusagen. Dadurch werden wir jetzt anfälliger für Erkrankungen und somit muss das Kapha schnell kontrolliert werden. Durch diese Anwendungen kann es erreicht werden:

  • Die Mittagszeit sollte man glücklich mit Freizeit verbringen. Somit mit Freunden, angenehme Spiele spielen und Geschichten erzählen. Im Garten oder Wald mit frischem Wind aus Süd mit viel Wasser in der Umgebung (Meer, See, Teich) sitzen, wenig direkte Sonneneinstrahlung, mit wunderschönen Blumen und dem Gesang von Vögeln, die sich im Liebesspiel engagieren. Dieses Verhalten kenne ich aus südlichen europäischen Ländern wie Griechenland oder eben natürlich Spanien mit ihrer Siesta. Aus Deutschland mit seinem immerwährenden Kampf und Leistungsdruck ist das eher ungläubig wie eine Fata Morgana zu betrachten.
  • Starke Ausleitungsverfahren sollten angewendet werden, zum Beispiel nasale Medikation oder Einläufe. Diese sind individuell zu bestimmen!
  • Körperübungen (Sport und Yoga) sind regelmäßig auszuüben
  • Mit Udvartana (Massage mit trockenem Pulver aus Heilpflanzen) wird das Kapha weiterhin reduziert
  • Ernährung sollte nun leicht verdaulich und trocken sein (fettfreier, feuchtigkeitsfrei)
  • Honig ist sehr hilfreich
  • Fleisch von Tieren aus wüstenähnlichen Regionen, jedoch eher gegrillt
  • Nahrung, die fettig, ölig, sauer, süß, kalt und schwer zu verdauen sind, sollten abends, vor allem vor dem Schlafengehen vermieden werden
  • Mangosaft ist zudem hilfreich, Kapha zu reduzieren. Die alten Texte begnügen sich allerdings nicht damit, nur den Mangosaft zu benennen, sondern auch das Ambiente: Man soll es mit Freunden trinken, gereicht von liebenden Frauen mit einem süßen Körperduft und der Anmut ihrer lilienhaften Augen. Dieses Getränk bringt Zufriedenheit für den Geist und das Herz. Warum die liebenden Frauen, ihr süßer Körperduft und die lilienhaften Augen explizit benannt werden, hat nichts mit der Unterdrückung der Frau im archaischen oder hierarchischen Sinne zu tun und kann nicht mit unserer heutigen Gender-Diskussion gelöst werden. Es hat seinen Sinn, ganz sanft, liebevoll und wahrhaft. Aber davon erzähle ich dir ein anderes Mal. Das würde heute einfach den Rahmen sprengen.

Grisma rtu (Sommer)

Die Sonnenstrahlen werden täglich sehr kraftvoll und destruktiv. Daher ist ihre Kraft für uns kräftezehrend und anstrengend. Nun reduziert sich das Kapha täglich mehr und das Vatha steigt täglich. Also sollten wir beachten:

  • viel Sonneneinstrahlung und zu viel körperliche Aktivitäten sollen vermieden werden. Hierzu zählt z.B. Sport, zu viel außen aktiv sein, aber auch zu viel sexuelle Aktivität
  • Bad mit kaltem Wasser erhöhen
  • Salzige, scharfe, saure Nahrung soll eher vermieden, mindestens reduziert werden
  • Gekochter Reis mit Fleisch von Tieren aus wüstenähnlichen Regionen sollen gegessen werden
  • Quark mit Pfeffer und Zucker,
  • Syrup mit bestimmten Früchten und Gewürzen und
  • Büffelmilch, das durch den Mond und die Sterne gekühlt wurde sind sehr hilfreich. Gut, ich gebe zu: Auch das ist in unseren Breitengraden nicht super easy umsetzbar
  • Den Körper mit Sandelholz einmassieren
  • Girlanden aus Blüten des Campher oder mallika (Jasmin) im Haus aufhängen und im Haar tragen
  • Paste aus Sandelholz anwenden
  • Angenehmes Gerede und Gesang von Kindern, Papageien und Maina-Vögeln hören
  • Schlaf auf einem weichen Bett aus Blütenblättern der Kochbanane und Blüten der weißen Wasserlilie. Ist das nicht eine herrliche Vorstellung? Muss es nicht so im Paradies sein? Ein weiches Bett aus Bananenblättern und Blütenblättern. Es muss ein himmlischer Duft sein. Tja, nur leider ist das in Castrop-Rauxel ziemlich schwer umsetzbar. Versetze ich mich in die Zeit, als die alten Texte entstanden sind, also ca. vor 5.000 Jahren in Indien, dann kann ich mir vorstellen, dass so ein himmlisches Bett möglich war. Auch wenn dieser Punkt in unserem modernen Städteleben nicht machbar ist, so kannst du aber
    Die Vorstellung dessen in deinem Herzen tragen
    2. Die Düfte durch ätherische Öle auf dich wirken lassen
    3. Die anderen Punkte dennoch umsetzen

 

Zusammenfassung

Heute hast du erfahren, dass wir im Ayurveda sechs Jahreszeiten kennen und dass diese jeweils eine andere Wirkung auf unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und die Entstehung von Krankheit haben. Daher hast du nun verstehen können, dass es absolut sinnvoll ist, sich durch sein Verhalten und seine Ernährung den Jahreszeiten und damit dem Lauf der Natur anzupassen, um sich selbst zu stabilisieren. Das meiste, was du heute gehört hast trifft im Übrigen auf alle Prakrithi zu, auf alle Konstitutionstypen. Achte besonders gut auf dich, wenn die Jahreszeiten wechseln, denn dann sind unsere Systeme krankheitsanfälliger. Ich habe dir erklärt, warum die Zeit von feuchten Winter, Frühling und Sommer unsere Kraft zunehmend schwächt und warum wir unsere Kraft und Verdauungskraft im Herbst und Winter wieder stärken.

Umsetzung

Außerdem habe ich dir einige Zusammenhänge und Beispiele zur Umsetzung genannt. Natürlich können wir in der Welt, in der wir heute leben nicht alles genauso umsetzen wie in Indien vor 5.000 Jahren. Wie beispielsweise das Blütenbett. Andere Tipps wie die Büffelmilch, die durch den Mond gekühlt wird, hört sich in den westlichen Ohren auch erstmal befremdlich oder esoterisch an.
Aber halte dich nicht an dem auf, mit dem du nichts anfangen kannst! Einige Beispiele kannst du einfach in den Alltag integrieren. Es gibt eine Menge mehr als das, was ich dir heute beschrieben habe. Und nach und nach werde ich dir auch noch mehr Tipps und praktische Beispiele weiter nennen. Die ersten Freebies sind außerdem in Arbeit. Das sind kostenlose Inhalte wie zum Beispiel Rezepte, eine Gewürztheke und vieles mehr! Du darfst gespannt sein. Und wenn du nichts verpassen möchtest, dann werde doch einfach Teil der SunShyn-Community und trage dich in meinen Newsletter ein.

Hast du eine Frage oder möchtest mir deine Erfahrungen mitteilen? Dann schreibe gern in die Kommentare. Ich freue mich im Übrigen auch darüber, wenn du meinen Podcast abonnierst und/ oder eine Rezension schreibst!

Also, gehe mit den Jahreszeiten und sei mit der Natur im Einklang. Dann bist du auch für dich selbst im Flow!

Viel Spaß dabei!

Lachende Grüße & keep Shyneying!

Wie du in Folge 2 meines Podcasts bereits gehört hast, gibt es in der ayurvedischen Lehre die Theorie des Tridosha.

In der heutigen Episode wiederhole ich ein paar wichtige Aspekte und du erfährst noch ein wenig mehr über Vatha, Pitta und Kapha. Falls du den ersten Teil noch nicht kennst und mehr erfahren möchtest, dann hör doch einfach noch mal in die Folge 2 rein.

Was ist Tridosha?

Nun, das Wort Tridosha stammt aus der altindischen Sprache Sanskrit und besteht aus den Wörtern „Tri“, das bedeutet drei, und „Dosha“. Dafür gibt es keine richtige Übersetzung ins Deutsche, kann aber als die Lebensenergien bezeichnet werden.

Diese drei sind: Vatha, Pitta und Kapha.

Vielleicht hast du davon schon mal gehört?
Oder du hast mal in deinem Bio-Laden oder Supermarkt einen Pitta-Tee, Kapha-Öle oder Vatha-Gewürzmischungen gesehen?

Konstitutionstyp

Wenn im Westen von Vatha, Pitta und Kapha gesprochen wird, so ist meist der Typ eines Menschen gemeint. Typ heißt hier Konstitutionstyp, also das, was diesen einen Menschen ausmacht. Wir nennen das Prakrithi, dieser verändert sich ab Geburt bis zum Tod nicht.

Viele Magazine und die meisten Kochbücher legen leider nahe, dass man sich seinen Typen durch Ausfüllen und Analysieren von kurzen Fragebögen und Ankreuztests selbst erschließen kann. Dass dies jedoch nicht nur minimalistisch, sondern nicht möglich ist, habe ich in der Folge 2 beschrieben. Die ayurvedische Lehre ist hier viel komplexer, aber eben aus dieser Komplexitität heraus ist die individuelle Beratung erst möglich. Jeder Mensch weist einen anderen Konstitutionstyp aus. Die reinen Typen- also ein Vatha-Typ, ein Pitta-Typ oder ein Kapha-Typ- sind eher selten. Ca. 80 % der Menschen sind Mischtypen. Also zum Beispiel Vatha-Pitta-Typ oder Kapha-Vatha-Typ, etc. und somit ergeben sich 7 verschiedene Konstellationen. Wichtig ist allerdings zu wissen, dass alle drei – Vatha, Pitta und Kapha- in jedem Menschen stecken. Wird nur eins oder zwei der drei genannt, bedeutet das nicht, dass die fehlenden Teile nicht vorhanden sind, sondern nur, dass der genannte Teil vorherrschend ist. Bei einem Pitta-Typ ist also Pitta dominant, Vatha und Kapha sind dennoch vorhanden, wenn auch nicht genannt.

Die meisten Fragebögen kategorisieren viel zu schnell durch nur ein paar wenige Fragen nach dem Prinzip: ‚Essen Sie gern scharf? Werden Sie schnell wütend? Aha, Sie sind ein Pitta-Typ.‘
Anhand dessen kann man sich nun die passenden Rezepte aussuchen und wird teilweise verwirrende Informationen feststellen, zum Beispiel, dass auf Seite 2 frischer Ingwer als Pitta-erhöhend und auf Seite 62 frischer Ingwer als Pitta-reduzierend beschrieben wird.

Also, ich verstehe das nicht. Wie soll das dann jemand verstehen, der eventuell gerade erst beginnt, sich mit Ayurveda zu beschäftigen? Die Einteilung in einen Typen ist zudem komplexer als hier beschrieben.

Was ist ein Vatha-Typ?

Einen reinen Typen gibt es eher selten, wie oben beschrieben. In den Mischtypen kommt nicht jede Eigenschaft in jedem Vatha-Typen bzw. in jedem Menschen bis ins Extrem auf gleiche Weise zum Vorschein.

Aber um dir ein Gefühl zu geben, was zu Vatha gehört, nenne ich dir nun ein paar Beispiele:

In der großen Lehre des Mahabhoota, der Fünf-Elemente-Theorie, ist Vatha mit den Elementen Luft (Vayu) und Raum (Akasha) verbunden.

Ein Vatha-Typ weist eher eine filigrane Körperstruktur auf. Das heißt, Vatha-Typen sind meist schlank und Knochen von Schlüsselbein, Nase, Finger, etc. sind gut sichtbar.

Eine Eigenschaft von Vatha ist trocken und kalt. Und dies spiegelt sich meist in trockener Haut, trockener und rissiger Haare und Nägel wieder.

Eine weitere Eigenschaft ist das Bewegungsprinzip. Ein Vatha-Typ braucht Bewegung wie die Luft zum Atmen, um gesund zu bleiben und sich wohl zu fühlen. Dies findet meist Ausdruck in Sport, kann aber auch alle Bereiche des Lebens betreffen. So sind Körperteile immer wieder in Bewegung, wie zum Beispiel die Augen oder die Füße. Der Beruf weist viel Bewegung im Körper und/ oder im Geist auf, wie bei einem/einer Außendienstmitarbeiter/in. Macht ein Vatha-Typ Yoga, so bevorzugt er/sie meist eher die dynamischen Asanas (= Körperübungen), Übungen, die eher auspowern, fordern. Sehr ruhige Übungen sind ihm/ihr oftmals zu wenig.

Was ist ein Pitta-Typ?

Auch bei dem Pitta-Typ gilt, dass ich hier ein paar Aspekte als Beispiele nenne, die jedoch bis ins Extrem nicht bei jedem Pitta-Typen in Erscheinung tritt.

Wie oben aus einem Fragebogen zitiert, ist es korrekt, dass ein Pitta-Typ gern scharf isst und dies gut verträgt. Da Pitta nicht nur mit dem Element Wasser (Ap), sondern zudem mit dem Feuer-Element (Tejas) verbunden ist, kommt dies immer wieder zum Ausdruck. Einerseits ist die Farbe rot immer wieder sichtbar, andererseits stehen große Kraftreserven zur Verfügung. Die Menschen im Umfeld wundern sich oftmals, wie diejenige/ derjenige so viele Projekte auf einmal schafft. Pitta-Menschen erreichen ihre Ziele, denn neben den großen Kraftreserven haben sie außerdem einen großen Ehrgeiz, Dinge zu erreichen und andererseits ist ihr Verstand klar, schnell und scharf.

Vielleicht hast du mich jetzt ertappt. Oh ja, in meinem Konstitutionstyp schwingt ordentlich Pitta mit. Sonst wäre ich nicht in der Lage, neben kleinen Kind und Selbstständigkeit auch noch zu studieren, mir mein Online-Business aufzubauen und mich am Filmfestival der Uni zu beteiligen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, Grins.

Viele Pitta-Menschen haben ein Helfer-Syndrom. Sie sind nämlich mitfühlend, sensibel und können sich schnell in andere hineinversetzen. Der schnelle Verstand lässt sie schnell das Problem, aber auch die Lösung erkennen und drängen danach, den anderen Menschen die Lösung näher zu bringen. Durch die innere Ungeduld, stülpen viele Pitta-Menschen ihre Lösung aber leider über die anderen und überfordern sie damit oftmals. Jajaja, auch ich musste das lernen. Schließlich habe ich es ja nur gut gemeint! Im Laufe der Zeit habe ich jedoch verstanden, dass es nicht immer nur um die Lösung geht, sondern auch und sehr stark um den Weg dahin. Ich kann andere darin begleiten, aber ihnen den Weg nicht abnehmen. Das ist nicht nur ein wichtiger Prozess, sondern ein heiliger!

Grenzen einzuhalten-die der anderen Menschen, aber auch die eigenen- das ist ein stetiger Lernprozess des Pitta-Menschen. Eben auch, auf seine Kräfte zu achten, um nicht in einen Burnout zu rennen.

Außerdem bietet Pitta im gesunden Zustand eine latente Wut oder ein hitziges Gemüt. Dieses sollte man ohne Bewertung einfach nur wahrnehmen und darauf achten, die Wut kanalisiert und regelmäßig herauszulassen. Andernfalls richtet sich dann geballte Aggression erst gegen sich selbst und gegen das eigene Gewebe. Ein Weg dazu sollte sein, seine Wut nicht zu unterdrücken und zu sammeln, bis der Vulkan ausbricht und dann rette sich, wer kann. Besser wäre zum Beispiel die Wut durch Sport zu kanalisieren. In meinen Sitzungen habe ich mit vielen Menschen, vor allem mit Frauen, regelrechte Wut-Therapie gemacht. Sie haben das überschüssige, angekettete Pitta befreit und so konnten wir weitere Schritte einleiten, das Pitta und die Tridosha zu harmonisieren.

Was ist ein Kapha-Typ?

Kapha ist verbunden mit den Elementen Wasser (Ap) und Erde (Prithivi).

Der Kapha-Typ ist eben genau das, was wir bezeichnen als ‚geerdet‘, ‚auf dem Boden der Tatsachen geblieben‘, ‚bodenständig‘, ‚Fels in der Brandung‘.

Auf das Wort des Kapha-Menschen kann man sich tausend-prozentig verlassen.

„Schwer“, das trifft für den Kapha-Typen auf verschiedenen Ebenen zu. So neigt dieser Typ in der Körperstruktur eher zu Rundungen bis hin zur Adipositas (Fettleibigkeit).

Auch die Gedanken können teils schwer sein und Änderungen des Lebens oder von Entscheidungen blickt der Kapha-Mensch meist schwer entgegen. Das heißt, es fällt ihm nicht einfach, neue Entscheidungen zu treffen oder sie umzusetzen.

Stabilität, Körperkraft und ein starkes Immunsystem findet man hier.

Lokalisation im Körper

Nicht nur der Konstitutionstyp, sondern viele weitere Bereiche werden in Vatha, Pitta und Kapha eingeteilt. So auch der Sitz des Körpers.

Alle drei Doshas finden sich im gesamten Körper wieder und wirken in ihren für sie spezifischen Funktionen. Dennoch kann als grobe Einteilung gesagt werden, dass der Sitz von Kapha vom Kopf bis ca. Magengegend liegt, die Pitta-Region wiederum befindet sich von ca. Magen bis ca. Bauchnabel und die Vatha-Region ab ca. Bauchnabel bis zu den Füßen.

Darüber hinaus wird in den alten Texten sehr genau beschrieben, welche Körperteile und Organe in welches Dosha gehören.

Unabhängig von dem Sitz laufen jedoch Dosha-Prozesse in allen Regionen des Körpers, in der jeweiligen Funktion. So hat Pitta eine Stoffwechsel-Funktion, Vatha das Bewegungsprinzip, also auch die Bewegung des Blutes und Kapha für den Zusammenhalt der Körperstrukturen.

Ihre Funktionen wirken insgesamt ausgleichend. So normalisiert Kapha beispielsweise, wenn Pitta eine zu hohe Hitze produziert oder Vatha Gelenke zu sehr abnutzt. Ebenso finden sich ausgleichende Prozesse durch Pitta auf Vatha und Kapha oder auch Prozesse von Vatha auf Pitta und Kapha.

Erkrankungen

Neben dem Konstitutionstyp (Prakrithi) und den Körperregionen werden zudem die Erkrankungen oder Symptome (Vrikrithi) auch in Vatha, Pitta oder Kapha eingeteilt. Die Störungen werden ausgelöst durch die Inbalance der Tridosha. Tritt eines der Doshas aus seiner Position, so verlassen auch die anderen beiden ihre Position, wie bei einer Waagschale. Die Störungen können dabei sowohl durch eine Über- als auch eine Unterfunktion der Doshas entstehen. Der Sitz der Störung wiederum ergibt sich aus dem Sitz der Doshas im Körper.

Typische Symptome von Vatha-Störungen:

Blähungen, Verstopfungen, Schmerzen, Kreislaufstörungen, Störungen der Bewegungsabläufe, Störung des Menstruationsflusses, Potenzstörung, Taubheit, Störungen der Aufnahmefähigkeit der Sinne, Störungen des Höhrvermögens, Störungen des Tastsinns.

 

Typische Symptome von Pitta-Störungen:

Störungen von Agni (Verdauungsfeuer), Verdauungsprobleme, Stoffwechselprobleme, Beeinträchtigungen des Blutes, geistige Unbeweglichkeit, Mutlosigkeit, Störung des Sehvermögens, Störung des Tastsinns, Brenngefühl, Ekzeme, entzündliche Prozesse.

 

Typische Symptome von Kapha-Störungen:

Zysten, Geschwüre, Störung des Geschmacksinns, Instabile Körperhaltung, Abnutzung der Gelenke, schleimbildende Erkrankungen, usw.

 

Äußere Faktoren

Unabhängig von unseren Konstitutionstypen oder Erkrankungen, erhöht sich unser Vatha, Pitta oder Kapha in uns durch äußere Faktoren. Diese wirken natürlich entsprechend ihrer Natur auf uns und unsere inneren Prozesse, auf unseren Gemütszustand, unsere Verdauung, unseren Schlaf usw:

A) Tageszeiten

02-06 Uhr: Vatha

06-10 Uhr: Kapha

10-14 Uhr: Pitta

14-18 Uhr: Vatha

18-22 Uhr: Kapha

22-2 Uhr: Pitta

 

B) Lebenszeiten

Kapha-Lebensphase:
Geburt bis ca. Menarche (erste Menstruation):
Hier findet besonders Wachstum statt, viele schleimbildende Prozesse und Erkrankungen, die Stabilität des Menschen erwacht

Pitta-Lebensphase:
Ca. Menarche bis Klimakterium.
In der Zeit der ersten bis zur letzten Menstruation einer Frau – bei dem männlichen Geschlecht ist es ähnlich, nur schwerer einzugrenzen- ist die feurige Zeit des Lebens. Hier werden Ziele gesetzt und erreicht, werden Kämpfe ausgefochten, Hormone spielen eine wesentliche Rolle und

Vatha-Lebensphase:
Ca. Klimakterium bis Tod:
Nun trocknen Haut und Lebenssäfte nach und nach ein, Schmerzen und Erkrankungen des Gelenkapparates und des Nervensystems nehmen zu.

 

C) Klimazonen & Jahreszeiten

Klimazonen und Jahreszeiten, die eher sehr sonnig, warm, hitzig sind, wüstenartig, sind eher Pitta-relevant.

Hingegen weisen Klimazonen und Jahreszeiten, die beispielsweise schneebedeckt sind oder in denen es viel regnet eher Kapha-lastig.

Vatha erhöht sich vor allem bei kalten, trockenen und auch windigen Klima.

 

Allgemein erhöht sich zudem das Vatha in uns:

  • Nach der Verdauung, d.h. ca. 2 Stunden nach der Mahlzeit
  • Nahrungsmittel, die trocken, kalt und geringen Nährwert aufweisen
  • Erschöpfung nach viel Arbeit, Sport, Überanstrengung, Sex
  • Nach Verletzungen
  • Bei Angst, Sorgen, Stress, Trauer, intensiver Lust
  • Bei Schlafmangel

 

Das Pitta erhöht sich in uns:

  • Während der Verdauung
  • Bei Nahrung, die ölig, trocken, heiß, scharf und sauer sind
  • Nach heißer Dusche/Bad
  • Sauna
  • Während des Fastens
  • Nichtbeachtung von Hunger und Durst
  • Bei Wut, Hass, Eifersucht, übertriebenen Perfektonismus

Das Kapha erhöht sich in uns:

  • Unmittelbar nach dem Essen
  • Bei zuviel Nahrung
  • Nahrung, die süß, ölig, fettig, salzig und kalt sind
  • Schlaf, zuviel Schlaf, tagsüber Schlaf
  • Körperliche Inaktivität
  • Habgier, Geiz, Trägheit

 

Es ist sehr wichtig, diese äußeren Faktoren nicht mit dem Konstitutionstyp (Prakrithi) oder Erkrankungen zu verwechseln bzw. zu vermischen. Werden die schon beschriebenen Fragebögen nicht spezifisch genug ausgearbeitet, dann ist die Gefahr jedoch ziemlich groß.

Außerdem muss bei der Bestimmung von Konstitutionstyp, der Diagnose und der Behandlung all diese Faktoren berücksichtigt werden.

 

Heute hast du mal ein wenig mehr Einblick erhalten in Tridosha, die Lebensenergien Vatha, Pitta und Kapha.

Obwohl ich mich immer noch an der Oberfläche befinde, kannst du erkennen, wie tiefgreifend das Wissen aus Ayurveda ist. Also, das nächste mal, wenn dir ein Fragebogen in einem Kochbuch oder einem Magazin unter die Nase kommt, bist du in der Lage, das ganze ein wenig differenzierter zu betrachten.

Tauche mit mir ein, in den tiefen Ozean und entdecke die wunderbare und faszinierende Welt von Ayurveda!

 

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Lachende Grüße & Keep Shyneying!